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Von der Idee zur Wirklichkeit – Die Geschichte des Chaladhir Verlags
Was gerade passiert
Der deutschsprachige Buchmarkt durchlebt gerade unruhige Zeiten.
Phantorion Verlag. Einige kleinere Verlage. Namen, die in der Dark-Fantasy- und Phantastik-Community bekannt waren – und die plötzlich nicht mehr da sind. Für die Autoren dieser Verlage bedeutete das nicht nur eine geschäftliche Enttäuschung, sondern eine existenzielle Frage: Was passiert jetzt mit meinem Buch? Mit meinem Vertrag? Mit dem Projekt, in das ich Monate oder Jahre investiert habe?
(Siehe: Wenn Verlage schließen)
Die Verunsicherung ist verständlich. Und sie hat eine Konsequenz, die man gerade überall beobachten kann: Immer mehr Autoren wenden sich von Verlagen ab und wählen die Selbstpublikation. Weil sie das Gefühl haben, es sei die sicherere Option.
Gleichzeitig schießen neue Verlage aus dem Boden. Schnell gegründet, laut in den sozialen Medien, mit großen Versprechen. Manche werden sich beweisen. Andere werden in einem Jahr nicht mehr existieren und wieder Autoren zurücklassen, die nicht wissen, was jetzt kommt.
Es ist ein Markt im Umbruch. Und er braucht keine schnellen Antworten. Er braucht ehrliche.
Warum wir euch das erzählen wollen
Weil Chaladhir Verlag in genau diesem Umfeld entstanden ist. Nicht als Reaktion auf den Trend. Die Idee ist älter. Aber mit dem Bewusstsein, was gerade auf dem Spiel steht. Und mit dem Anspruch, eine Antwort zu sein, die bleibt.
Das ist die Geschichte, wie Chaladhir entstand. Und warum.
Die Beobachtung
Wer den Buchmarkt aufmerksam beobachtet, sieht ein Muster.
Bücher werden schneller veröffentlicht. Trends entstehen über Nacht: auf BookTok, auf Instagram und anderen Social Media Plattformen. Und sie verschwinden genauso schnell wieder. Was heute gehypt wird, ist morgen vergessen. Autoren, die mithalten wollen, stehen unter einem Druck, der mit Literatur eigentlich nichts zu tun hat. Schreib schneller. Veröffentliche mehr. Bediene den Algorithmus.
( Siehe: Farbschnitt oder Gänsehaut – Was bleibt, wenn der Trend verblasst)
Und Verlage? Viele antworten gar nicht erst auf Manuskripteinsendungen. Andere behandeln Autoren wie eine austauschbare Ressource. Entscheidungen über Titel, Cover, Klappentext – Dinge, die das Herzstück eines Buches berühren – werden getroffen, ohne den Autor ernsthaft einzubeziehen. Die kreative Kontrolle, die ein Autor über Jahre in sein Werk investiert hat, wird mit der Vertragsunterschrift abgegeben.
Irgendwann kommt der Moment, in dem man sich fragt: Schön wäre es, gäbe es jemanden, dem Autoren nicht egal sind. Jemanden, der Kreativität nicht verwaltet, sondern fördert. Der nicht fragt, was gerade verkäuflich ist — sondern was eine Geschichte zu sagen hat.
Und dann kommt der Gedanke, der sich nicht mehr abschütteln lässt:
Das könnte ich tun.
Die Idee, die bleibt
Solche Gedanken hat man viele. Die meisten verblassen nach ein paar Tagen.
Dieser nicht.
Er saß fest. Tauchte morgens wieder auf. Beim Lesen. Beim Schlafen. Ließ sich nicht verdrängen, egal wie oft man versuchte, ihn wegzuschieben.
Wochen vergingen.
Der Gedanke blieb.
Also begann die erste nüchterne Frage: Was würde es eigentlich brauchen, einen Verlag zu gründen?
Die Antwort war ernüchternd – im besten Sinne.
Ein Businessplan. Gründungskosten, die man realistisch berechnen muss. Laufende Kosten, die nicht verschwinden, nur weil der erste Monat noch keinen Umsatz bringt. Cover, Lektorat, Druck, Distribution – das alles kostet, bevor das erste Buch verkauft ist.
Und das trägt nicht der Autor.
Das trägt der Verlag.
Die Zahlen lagen auf dem Tisch. Sie sahen nicht einfach aus. Und die Idee klang immer noch gut.
Familie, Freunde und eine Liste, die wächst
Der nächste Schritt war das Gespräch. Mit der Familie. Mit engen Freunden. Nicht um Bestätigung zu suchen – sondern weil ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht im Alleingang funktioniert, und weil die Menschen, die einem nahestehen, das Recht haben zu wissen, worauf man sich einlässt.
Die Reaktion war eindeutig: Unterstützung. Keine zögernde, abwartende Unterstützung – sondern echte.
Damit begann die Planung.
Listen wurden erstellt und abgearbeitet. Eine Webseite wurde aufgebaut. Gespräche mit dem Steuerberater geführt, eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen, die IT-Recht-Kanzlei für rechtssichere Rechtstexte beauftragt. Der Gewerbeschein beantragt. Die Steuernummer. Buchhaltungssoftware eingerichtet.
Und dann kamen die Überraschungen, die kein Businessplan vorhersieht.
LUCID, die Registrierungspflicht für Verpackungen, die kaum jemand kennt, bis man ihr zum ersten Mal begegnet. Der dazugehörige Entsorgungsvertrag.
VLB, das Verzeichnis lieferbarer Bücher, ohne das kein Handel eine ISBN zuordnen kann.
VG Wort, die Verwertungsgesellschaft, bei der Verlage wie Autoren registriert sein müssen, um an Ausschüttungen teilzuhaben.
Jedes dieser Dinge kostet Zeit. Jedes will verstanden, ausgefüllt, beantragt, bestätigt sein.
Dazwischen: Gespräche mit Künstlern und Dienstleistern. Die Suche nach dem richtigen Illustrator für das richtige Projekt. Vergleiche zwischen Distributoren. Rechtssichere Verlagsverträge ausarbeiten, prüfen lassen, aktuell halten.
Monate, in denen Tage mit 12 bis 15 Stunden Arbeit keine Ausnahme waren — neben einem regulären Beruf, neben Familie, neben allem anderen.
Und die Idee klang immer noch gut.
Die eigentliche Frage
Während all das passierte, passierte auch anderes.
Verlage gerieten ins Kreuzfeuer. Manche schlossen. Autoren wurden verunsichert. Die Diskussionen in der Community wurden lauter, die Skepsis größer.
Und irgendwo in dieser Zeit stellte sich die Frage, die man sich stellen muss — nicht um sie wegzudiskutieren, sondern um ihr ins Auge zu sehen:
Was passiert, wenn es wirklich hart wird? Können wir Autoren die Sicherheit geben, die sie brauchen? Werden wir auch noch in einem Jahr da sein?
Die ehrliche Antwort: Ein Verlag, der im Januar 2026 eröffnet, trägt sich nicht sofort selbst. Das ist keine Schwäche – das ist die Realität jedes Unternehmensaufbaus.
Es bedeutet: Monat für Monat draufzahlen.
Mit dem Wissen, dass es Jahre dauert, bis sich das ändert.
Das Gewicht dieser Verantwortung ist spürbar. Nicht als Last, die einen lähmt, sondern als Maßstab, an dem man sich messen lassen will.
Denn Autoren, die ihr Manuskript einem Verlag anvertrauen, vertrauen ihm mehr als nur ein Dokument. Sie vertrauen ihm Zeit. Herzblut. Geschichten, die ihnen etwas bedeuten. Aber es geht um mehr als Gefühle. Es geht darum, dass ihr Buch lieferbar bleibt. Dass vereinbarte Honorare fließen. Dass jemand dafür sorgt, dass die Arbeit von Monaten oder Jahren nicht einfach im Nichts verschwindet, weil ein Verlag seine Türen schließt.
Die Autoren des Phantorion Verlags stellen sich gerade genau diese Fragen. Was passiert mit meinen Büchern? Sind meine Verkäufe noch abrufbar? Bekomme ich mein Honorar? Bei einem Verlag, der seinen Betrieb zum 31. März 2026 einstellen musste, sind das keine theoretischen Fragen – das ist bittere Realität.
Das ist die Verantwortung, die ein Verlag trägt. Nicht irgendwann. Von Anfang an.
Das muss jedem bewusst sein
Was Chaladhir sein will
Chaladhir Verlag ist am 1. Januar 2026 gestartet – als unabhängiger Dark-Fantasy-Verlag mit Sitz in Haren/Ems.
Kein Druckkostenzuschuss. Kein Autor zahlt für seine Veröffentlichung.
Stattdessen: Ein Modell, das auf Fairness und Transparenz beruht. Autoren behalten kreative Mitsprache -bei Titeln, bei Cover, bei Entscheidungen, die ihr Werk betreffen. Die Kommunikation ist offen, die Verträge verständlich und rechtlich sauber.
Es geht nicht darum, möglichst viele Bücher möglichst schnell zu veröffentlichen. Es geht darum, die richtigen Bücher zu finden – und ihnen die Bühne zu geben, die sie verdienen.
Dark Fantasy ist kein Nischengenre für Schnellkonsumenten. Es ist ein Genre, das Tiefe hat, das Welten baut, das Fragen stellt. Diese Überzeugung trägt Chaladhir.
Chaladhir hatte das Glück, von Anfang an Autoren zu finden, die dieselbe Haltung mitbringen. Menschen, die ihre Geschichten erzählen wollen — nicht weil der Markt es gerade verlangt, sondern weil diese Geschichten erzählt werden müssen. Die Welten erschaffen wollen, die Bestand haben. Die Leser fesseln wollen, nicht bedienen. Sie haben eine Bühne gesucht. Wir hoffen, die richtige zu sein.
Die Idee hat sich festgesetzt.
Sie hat mich nicht losgelassen. Durch alle Zahlen, alle Überraschungen, alle langen Tage.
Und sie klingt immer noch gut…
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